Corona und die Folgen für die Textil- und Corporate-Fashion-Industrie

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Die Corona-Pandemie hat uns sehr deutlich die Schwächen im bestehenden System der modernen Textil-und Bekleidungsindustrie aufgezeigt – sei es in der Beschaffung oder dann im Retail. Die nun ausgelöste Entwicklung treibt den Wandel im Markt mit einer neuen Geschwindigkeit voran.

Betroffen sind alle. Der Markt scheint in rasantem Tempo deutlich kleiner zu werden. Diese tiefgreifende Krise erfasst jeden in der Lieferkette. So waren es die Produzenten in Asien, Türkei und Portugal, die bei Ausbruch der Corona-Pandemie und dem folgenden Lockdown in aller Welt die ersten Stornierungen erhielten. Im März 2020 wurde bereits die Hälfte aller Aufträge storniert. Für April wurden bis zu 75% der Ordern zurückgezogen. Die Aufträge für Mai und Juni wurden fast komplett gestrichen.

Dazu muss man wissen, dass die Ware bei Beauftragung nur zum Teil angezahlt wird. In den Produktionsländern arbeitet man fast ausschließlich im Vollgeschäft*.

Nach den massenhaften Stornierungen wurden nicht selten Waren nicht mehr abgenommen und Restzahlungen nicht abgelöst. Dadurch konnten auch die Lieferanten ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen. Das hatte katastrophale Konsequenzen für die Arbeiterinnen und Arbeiter, die durch Corona sowieso schon finanziell belastet waren. Sie erhielten ihren Lohn nicht zum erwarteten Zeitpunkt oder überhaupt nicht. Das wirkte sich direkt auf ihren Lebensunterhalt und den ihrer Angehörigen aus.

Außerdem beeinflusste die Entwicklung den Cashflow der Lieferanten. Sie konnten ihre Unterlieferanten nicht mehr bezahlen und gefährdeten damit ihre langfristigen Geschäftsbeziehungen. Die Banken sperrten Kredite – eine einzige üble Kettenreaktion! Viele Lieferanten und Unterlieferanten sind schon jetzt Corona-Opfer und mussten ihr Business aufgeben.

Die Modebranche ist gebeutelt. Aber auch die Corporate-Fashion-Anbieter trifft die Krise hart. Events fallen fast vollständig aus. Damit werden keine Merchandise-Artikel benötigt, z. B. mit Eventdatum bedruckte Tassen, Lanyards, Caps, Taschen, Rucksäcke, Trinkflaschen, Handyhüllen oder Schals. Bereits Produziertes wurde, wie im Falle der verschobenen Fußball-EM 2020, sogar einfach vernichtet.

Erfreulich ist, dass einige Corporate-Fashion-Kollektionen inzwischen wieder langsam anlaufen, auch wenn nach wie vor Fußballspiele fast ohne Zuschauer stattfinden. Und das, obwohl die Lager aufgrund der spielfreien Zeit während des Corona-Lockdowns noch voll sind.

Ähnlich sieht es bei den Autokonzernen aus. Hier waren weltweit die Niederlassungen geschlossen. Full Service* bedeutete nicht selten, dass sich die Lieferanten um die Zwischenlagerung der anzuliefernden Waren kümmern mussten. Was nicht schon für den Online-Verkauf vorbereitet war, blieb erst einmal liegen und konnte nicht im Plan verkauft werden.

Nachdem Corona diese Schwächen im System offengelegt hat, sind jetzt neue, innovative Konzepte gefragt. Gelebte und umgesetzte Nachhaltigkeit wird dabei zum Wettbewerbsvorteil. Auch seine Lieferketten sollte man genau kennen, denn ab 2021 wird man von der Bundesregierung per Gesetz bezüglich Zwangs- und Kinderarbeit, Diskriminierung, Verstößen gegen den Arbeitsschutz und Schädigungen von Gesundheit und Umwelt genau kontrolliert werden.

Das schon lange thematisierte Umdenken beginnt – endlich!

Ob das dann auch Auswirkungen auf den Preis hat und damit das Kleidungsstück endlich aufgewertet wird?

Das bleibt zu hoffen – und spannend ist es allemal, denn wie Herbert Grönemeyer schon singt: „Stillstand ist der Tod, geh‘ voran, bleibt alles anders.“